Mein Problem: mein Freund und meine Freundin?

Was ist das denn für eine Idee?  Mein Problem soll mein Freund und meine Freundin sein?

Ich sehe, wie du irritiert oder skeptisch den Kopf schüttelst…. Du denkst vielleicht: Mein Problem ist doch alles andere als ein mir freundlich gesinnter Freund: Es tritt immer dann auf, wenn ich es gar nicht gebrauchen kann;

Es wirft mir Knüppel zwischen die Beine, sodass ich stolpere und zu Fall komme. Mein Problem ist doch in der Regel das, was meine Zufriedenheit oder gar mein Glückserleben zunichtemacht. Ist mein Problem nicht das Vehikel, das mich daran hindert, erfolgreich meine Ziele zu erreichen?

Angenommen, mein Problem ist die Prokrastination- auf salopp Deutsch gesagt, die Verschieberitis:

Es ist bereits 18:00 Uhr und ich sitze im Büro und habe noch immer nicht die schwierige E-Mail beantwortet, die mir Kopfzerbrechen macht und eigentlich seit Tagen ganz zuoberst auf meiner To-do-Liste steht…

Möglicherweise ist mein Problem auch, dass ich mir gesteckte Ziele nicht angehe und umsetze, auch wenn ich noch so überzeugt und vielleicht begeistert von ihrer Wichtigkeit für mein persönliches oder auch berufliches Fortkommen bin.

Beides: die Prokrastination und das Nicht-Umsetzen von Handlungen sind sicher nicht die Freunde, die ich dauerhaft um mich haben möchte.

Worum es mir geht:

Interne Probleme sind Botschafter für nicht gehörte und nicht erfüllte Bedürfnisse. Die Probleme sind da, weil es mir an etwas mangelt, was ich brauche, um mich gut, sicher, wohl, erfüllt, kompetent usw. zu fühlen. Sie kommen immer wieder und insistieren, ja, sie nerven mich, weil ich ihre Botschaft noch nicht verstanden habe.

Doch einfach so die Botschaften der Probleme verstehen und dann ist es gut- so simpel ist es dann auch wieder nicht.

Probleme lösen bei mir problematische Zustände aus: Ich reagiere vielleicht ärgerlich, geknickt und enttäuscht; Manchmal sind die Probleme auch mit Angst und Mutlosigkeit verbunden oder mit dem Gefühl von Inkompetenz und Versagen. Ich habe das Gefühl, dass das Problem mich und nicht ich das Problem habe. ES dominiert und dirigiert mich. Ich habe das Gefühl, ES überfällt mich, ohne dass ich mich angemessen wehren kann. Ja, es stimmt sogar: solange ich nur mit den Möglichkeiten meines bewussten Verstandes versuche, Chef oder Chefin über mein Problem zu werden, habe ich kaum eine Chance. Denn wirklich ernstzunehmende und immer wiederkehrende interne Probleme unterliegen dem unwillkürlichen Steuerungsnetzwerk in unserem Bewusstsein- da laufen unbewusste Prozesse ab. Mit der Steuerung durch unser Alltagsbewusstsein, also mit unserem Denken, kommen wir da nicht weiter.  Denn unsere unbewussten Steuerungsnetzwerke sind dem bewussten Denken immer einen Schritt voraus- wir merken es nur nicht.

Was können wir tun, um dennoch eine konstruktive und hilfreiche Beziehung zu unserem Problem aufzubauen und es für unser gutes Erleben zu nutzen?

Ich kann, statt über das Problem zu sprechen, auf einer anderen Ebene mit dem Problem verhandeln. Dies wird möglich, wenn ich alle meine Wahrnehmungskanäle nutze, um das Problem in einen anderen, neuen Kontext zu stellen und ihm somit eine hilfreichere Beschreibung und eine konstruktive Bedeutung zu geben. Mit einem hypnosystemischen Vorgehen nutze ich mein großes unbewusstes Potenzial, also mein inneres Wissen darüber, wie ich mir selbst helfen kann.

Wichtige Tools sind dabei der Perspektivwechsel, die Imagination, das unwillkürliche Bewegungs-verhalten, die Konstruktion von hilfreichen Settings, die Transformation der Problem-Trance in eine Lösungs-Trance.

So wird es wahrscheinlicher, dass mich mein Problem seltener besucht- und wenn es zu Besuch kommt, weiß ich, wie ich ihm mit respektvoller Gelassenheit begegnen kann.

Vielleicht hat es mal wieder eine wichtige Botschaft für mich.